Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen
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CHRON. Kopfschmerzen - hier speziell MÜK

Entwicklung einer neuen Kopfschmerzform, des Medikamenten-Übergebrauchs- Kopfschmerz G44.4 (MÜK).

Zum Verständnis dazu die folgenden notwendigen Ausführungen:
Es liegen fast unglaubliche Defizite hinsichtlich der häufigsten Kopfschmerzformen und den (generell nicht) erstellten Kopfschmerzdiagnosen vor. Das gilt nicht nur für Hausärzte, besonders für Neurologen, die doch hier eine besondere Expertise zeigen könnten, obwohl auch hier deutliche Fortschritte zu verzeichnen sind. Kopfschmerzen sind leider apparativ nicht messbar - somit entfallen die Diagnose-Bemühungen.

Chronische Kopfschmerzen spielen aber in 1/3 der Gutachten eine Rolle mit dem Gutachtenanlaß chronische Schmerzen.

Wichtigste Behandlung hinsichtlich MÜK: Aufklärung ! über die Bedeutung des Medikamenten-Übergebrauchs.
Hohes Vorliegen bei Funktionellen Körperbeschwerden (ca 6 von 10 Betroffenen, obwohl die Angabe auch in der Literatur sich meistens auf „Kopfschmerzen“ beschränkt, ohne Mitteilung einer spezifischen Kopfschmerzdiagnose !).
Mir liegen praktisch nur Erfahrungswerte vor – die Einnahme von (Kopfschmerzmitteln wird sehr oft nicht mitgeteilt, man erfährt davon meistens nur am Rande oder es ergibt sich beiläufig im Gespräch, häufig scheint sich die/der Betroffene der übermäßigen Einnahme von Schmerzmitteln, abgesehen von den „offiziell“ verordneten (Opioide usw.) zu schämen, da es sich in der Regel um Selbstmedikation handelt (meistens Schmerz-Mischpräparate).

Seltsamerweise wird eine Kopfschmerzdiagnose, auch eine chronische Form, ebenso der MÜK, obwohl diese Gesundheitsstörung(en) zu erheblichen Beeinträchtigungen/Behinderungen im Tagesablauf führt, fast nie in Rentengutachten erwähnt oder nach VersMedV 12/2008 (versorgungsrechtlich) bewertet, so als ob es sich um etwas total zu Vernachlässigendes handelt, das keiner Erwähnung bedarf (es sind ja nur Kopf-schmerzen, „die hat man“ und Ende, oder „man nimmt sie sich“; ansonsten ist es immer die "Halswirbelsäule", die an „Vielem“ schuld sein soll, auch an Schwindel).
Ähnliches gilt für die quantitative Beurteilung des Leistungsvermögens.

Opioide haben bei der Kopfschmerzbehandlung keinen Sinn, da sie eher zur Chronifizierung führen und somit schädlich sind.

Übersicht:
Zur Prophylaxe bei vorliegender Kopfschmerzdiagnose ist die sog.10-20-Regel (kontrolliertes Einnahmeverhalten) zu beachten, die besagt, dass mindestens 20 Tage im Monat komplett frei von der Einnahme von Schmerzmitteln (und Migrainemittel) sein sollen. Es geht dabei nicht um die Menge der Schmerzmittel, sondern um die Tage, bei denen sie angewendet werden.

Ca die Hälfte der chronisch Betroffenen mit mehr als 15 Kopfschmerztagen/Monat haben neben ihren ursprünglichen (primären) Kopfschmerzen eine zunehmende Häufigkeit der Kopfschmerztage, genannt Medikamenten-Übergebrauch-Kopf-schmerz (MÜK), englisch MOH (Medication Overuse Headache) nach Änderung der Klassifikation 2013, 3.Auflage (beta Version).

Zudem liegen Beziehungen zu den neuen Kriterien einer wie einer weiteren Kopfschmerzform vor, nämlich der chronischen Migraine. Die Diagnose chronische Migraine schliesst die Diagnose eines Kopfschmerz vom Spannungstyp vollständig aus (Göbel, Silverstein).

Behandlung bei unkomplizierten Fällen durch den niedergelassenen Kopfschmerzspezialisten, der leider zu oft kein Neurologe ist; oft, bei komplizierten Verläufen teil- oder noch besser stationäre spezialisierte Behandlung im multimodalen Behandlungsumfeld (Königstein Taunus, Gaul; Westdt. Kopfschmerzzentrum Essen, Diener; Kopfschmerzklinik Kiel, Göbel, u.a.).

Im Einzelnen: „Kopfschmedikamente“ können bei Übergebrauch selbst Kopfschmerzen verursachen (Verstärkung der Kopfschmerzen und Chronifizierung), entscheidend dabei ist die Regelmäßigkeit der Einnahme, d.h an mehreren Tagen in der Woche.
Wir sprechen dabei von mehr als 15 Migrainetagen und/oder Kopfschmerztagen vom Spannungstyp im Monat, bzw. von einem Mischbild von Migraine und Kopfschmerz vom Spannungstyp mit z.B. 8 Migrainetagen und 15 und mehr Kopfschmerztagen vom Spannungstyp/Monat.
Kopfschmerzen, die auf Medikamentenübergebrauch zurückzuführen sind, zeigen die Eigenschaft, zwischen den Symptomen einer Migraine und des Kopfschmerz vom Spannungstyp zu wechseln, auch am gleichen Tag, d.h. es entsteht ein neuer Kopfschmerztyp (zu kodieren nach ICD-10 GM G44.4).

Es geht dabei um Schmerzmischpräparate (Kombinations-Schmerzmittel), Einzelschmerzmittel, Kopfschmerzmittel, aber auch um die Einnahme mehrerer Schmerzmittel, auch ohne Übergebrauch, aber mit regelmäßiger Einnahme – d.h. es geht um die Tage, nicht allein um die Menge und wieviele Mittel, d.h. die Einnahme verschiedener Mittel, wie Ergotamin, Einfachschmerzmitteln wie ASS (Aspirin), Paracetamol, Metamizol (Novalgin), Opioiden, NSARs – „Rheuma-Schmerzmittel“ – Ibuprofen, Diclofenac, Naproxen; Triptane, Opioide.

Nimmt man z.B. ein Schmerzmischpräparat z.B. mit ASS, Paracetamol und Coffein an 7 Tagen und an 6 Tagen ein Triptan, ist die Grenze von 10 Tagen bereits überschritten (s.o. die Einzelpräparate).

Es besteht wirksame Behandlung, es handelt sich um eine Form der Abhängigkeit und um erhöhte Erregbarkeit von Nervenzellen (Hirnmantel und des 5. Hirnnervs).

Ziel der Behandlung ist die Erholung des erschöpften Schmerzabwehrsystems und die Normalisierung der Schmerzempfindlichkeit.

Zur Behandlung gibt es nur eine Lösung:
Stopp der Medikamenteneinnahme und Medikamentenpause. Ohne diese gibt es keine nachhaltige Besserung, d.h. keine Unterbrechung des MÜK.
Stationär ist nach 8-12 Tagen Kopfschmerzfreiheit zu erreichen. Dauer der Medikamentenpause bis zu 2- 4 Wochen, danach Kopfschmerzmedikation nach der 10-20-Regel. Während der Pause Einsatz von (trizyklischen) Antidepressiva, Antiepileptika, schwachen Neuroleptika, gegen Übelkeit während der Pause MCP, Domperidon, Vorsicht mit Dimenhydrinat. Auch die Wirksamkeit einer prophylaktische Gabe von Kortikoiden während der ersten Tage der Pause ist nachgewiesen.
Sehr hässlich dabei ist das Auftreten von erheblichen Absetzungskopfschmerzen und vielfältigen, teils schwergradigen Begleitsymptomen (Dauer 7-10 Tage). Die Zeit des Entzugs ist für viele Patienten sehr schwer.
Schmerzmittel während der Pause heben die Wirkung auf.

Die Rückfallquote wird mit 20% angegeben. Deshalb schwere Verläufe vollstationär in spezialisierter Klinik mit verhaltensmedizinischer und medikamentöser Kopfschmerzprophylaxe (Schmerzbewältigungstraining, Ruhe, körperliche Schonung, Medimante gegen Übelkeit und zur Schmerzdistanzierung).

Das vorherige Kopfschmerzleiden besteht natürlich weiterhin und muss jetzt intensiv behandelt werden. Ziel ist möglichst viele Kopfschmerzanfälle zu vermeiden, damit die Kopfschmerzmedikamente (alle !) nur an maximal 10 Tagen im Monat eingenommen werden müssen. Mischpräparate und Opioide sind grundsätzlich zu meiden.

Man erkennt, dass hier nur spezialisierte Behandlung erfolgreich sein kann. Eine Routine-Klinik ist dazu nicht in der Lage.