Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen
Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen

Wiesenstr.3
46514 Schermbeck/Lippe

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Katastrophisieren (mit Beispielen)

  1. Die Aufmerksamkeit ist gezielt und überwiegend auf körperliche Symptome aller Art ausgerichtet (Schmerzen, Luftnot, Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, Störungen beim Wasserlassen, Verstopfung/Durchfall, Taubheit, Kribbeln und 129 mehr Beschwerden ...).
    Diese werden real empfunden und erlebt. Verstehen Sie mich recht. Es handelt sich aber in der Regel nur um lästige Beschwerden/Empfindungen ohne entscheidenden Krankheitswert;
    der Behandlung zugängig ist aber nur die allgemein überhöhte Empfindlichkeit, die aus jedem Symptom eine "Katastrophe" macht.

    Oft werden normale Empfindungen als Zeichen von Erkrankung erlebt, oft im Zusammenhang mit katastrophisierenden Bewertungen, Krankheitssorgen und der Befürchtung, dass jegliche Art körperlicher Aktivität, Bewegung, dem Körper Schaden zufügen könne.

    Das Verhalten ist gekennzeichnet von z.B. Abtasten des Körpers auf der Suche nach Veränderungen, um die „Ursache von Schmerzen“ zu finden, Aufsuchen medizinischer Hilfe (ein Haufen von Beschwerden wird vorgetragen, womit der Arzt sehr oft nichts anfangen kann, die Augen verdreht und eine Überweisung ausschreibt – zum Psychiater, zum Psychosomatiker, zum Neurologen usw.), dabei wollte der Betroffene nur fälschlicherweise eine Überweisung zum Orthopäden wegen „unerträglicher Schmerzen“ oder unablässigen Rückenschmerzen mit Attacken seit 12 Jahren.

    Der Betroffene wollte sich zudem rückversichern, ob ihm körperliche Aktivität schadet – das sagt er dem Arzt aber nicht. Das Aufsuchen des Arztes geschieht auch mit dem Wunsch nach medizinischer Hilfe für empfundene Beschwerden.

    Die Sorgen des Betroffenen können so schwergradig sein, dass ein Gespräch für andere Themen nicht erfolgen kann. Dass die Symptome keine Anzeichen für eine ernsthafte Erkrankung sind, hat oft die Folge, dass hinsichtlich der Beschwerden diese vom Arzt nicht ausreichend ernst genommen werden.

    Die Betroffenen suchen eher einen zuständigen Arzt für körperliche Angelegenheiten auf als für psychische Erkrankungen. Der Vorschlag, einen Arzt für psychische Erkrankungen aufzusuchen, überrascht den Betroffenen, oft wird mit offener Ablehnung reagiert.

    Eine Depression bedeutet ein hohes Risiko mit möglicher Todesfolge !

    Schmerzbetroffene zeigen oft ein allgemeines Rückzugs- und Schonverhalten – wie sind sie wieder ins aktive Leben zurückzuholen?
    Es stellt sich die Frage - wollen sie das überhaupt oder wird Berentung vorgezogen/angestrebt?

    Sehr oft ist zunächst ein Abdosieren von Schmerzmitteln notwendig, die leider meistens die einzige Therapie bei Schmerztherapeuten sind. Diese basteln sich unerlaubt die Diagnosen durch „Auswertung“ von Fragebögen und einer flüchtigen Alibi-Untersuchung.
    Die sog. Spezielle Schmerztherapie ist ein Fehlkonzept, da sie ausschliesslich periphere körperliche Funktionsbeeinträchtigungen behandelt - mit Opioiden, Spritzen wer weiss nicht wohin, Katheterbehandlungen, obwohl im Arztbericht eine psychiatrische Diagnose erscheint … Ohne psychiatrische und besonders psychosomatische und neurologische Kenntnisse ist ein (chronischer) Schmerzzustand nicht zu behandeln, da es sich um einen fachübergreifenden Prozess handelt. Es geht dabei nicht mehr um die Ursachen, sondern um einen Schmerzzustand, der etwas ganz anderes ist, als üblich gedacht und mitgeteilt.

    Aus Beschwerdenangaben wird eine Neuropathie (mit medikamentöser Behandlung); „beispielhaft“ eine renommierte große Schmerzpraxis in der südlichen Pfalz/Baden in einem Bericht 07/’15).

    Hinsichtlich der Behandlung ist zunächst das Vermeidensverhalten zunächst zu überwinden und die Aufmerksamkeit in eine neue Richtung zu lenken.

    Weg von Wärmeanwendungen, Massagen und Fango hin zu aktiven Methoden: ALLE sollten in eine Sportgruppe gehen (Funktionstraining). Das erscheint zunächst unmöglich, da Sie doch aufgrund oft jahrelangen Vermeidens von Bewegung eine große Angst davor entwickelt haben.

    Zunächst ist es grundlegend, die negativen Überzeugungen, d.h. das Katastrophisieren der eigenen persönlichen Situation zu bearbeiten.
    Ängste, Beschwerdendarstellung von Kopf bis Fuß und auffälliges Verhalten findet man oft in seitenlanger Darlegung von allem, was man NICHT kann und was einen beeinträchtigt.

    Dieses Katastrophisieren ist mit zunächst vom Behandler durch aktives Zuhören und Nachfragen „auszuhalten“, „durchzukatastrophisieren“ zu lassen – viele Betroffene erkennen so die eigenen Ängste, die real für sie sind, aber auch jahrelangen diagnostischen Bemühungen trotzen, also faktisch medizinisch „irreal“ sind, da der Arzt „nichts“ „Objektives“ finden und so die diagnostischen Bemühungen aller Beschwerden ins Leere laufen. Vermeiden Sie so Ärzte, die nichts "finden"… Diese sollten nur woandershin gucken.
    Die Aufnahme der Krankengeschichte muss so bis in die Kindheit/Jugend erfolgen, Belastungen, Lebensereignisse sind zu erfragen und deren Bedeutung zu gewichten.

    Hier ist dann irgendwann STOP zu sagen, und die Diagnostik quer durch die Gebiete und Apparate einzustellen.

    Ziel ist es dann die Schmerzschwelle langsam wieder anzuheben (psychotherapeutische Begleitung der sportlichen Aktivitäten ohne Erschöpfung, Anwendung der Methode der Achtsamkeit zum Beispiel).
    Berentung ist die schlechte Alternative. Ein Rentenantrag löst meistens eine Lawine von Gutachten ohne Schmerzkompetenz aus, gefolgt von solchen im Klageverfahren und evtl. Berufungsklage – das Ganze dauert dann schlimmstenfalls zwischen 3-6 Jahre – schlimm ist es auch deshalb, dass ja die Klagen, Beschwerden immer neu dem Gutachter vorgetragen, gezeigt und „bewiesen“ werden müssen – also genau einer Verbesserung entgegenstehen, und das jahrelang: wer hält das aus ? Das zieht natürlich "hinab" - ob nicht die beschriebene Aktivität die bessere Alternative ist ? überlegen Sie bitte einmal.

    E-Mails „Aus dem wahren Leben“ – so sieht die (erschreckende) Praxis aus:

    1. „Bei mir hat sich die Situation sehr verschlimmert, ich habe so grausame Schmerzen und kämpfe nur noch mit den Ärzten.
      Nach Untersuchung habe ich dort Verschleiß, auch die HWS mit Bandscheibenvorwölbungen und zwischen zwei Wirbeln fehlt der „Puffer“, sodass diese aufeinander liegen. Neben dem Verschleiß in der rechten Schulter besteht auch noch Entzündung im Schleimbeutel.

      Nächste Woche werde ich beim Orthopäden und Neurologen weiterbehandelt.
      Da sich meine Schmerzen sehr verschlimmert haben und ich wirklich gnadenlose Schmerzen habe, die Vieles nicht mehr zulassen, will ich bitten, auch die linke Schulter, die LWS und das Becken untersuchen zu lassen.
      Ich bin sicher, dass sich da einiges auftun wird.
      Mein Partner kennt den Orthopäden, er will ihm mitteilen, wie besch... es mir geht und wir hoffen, dass die nötigen Untersuchungen veranlasst werden.
      Der Schmerztherapeut hat mir Fentanyl (ein starkes Opioid) 12,5müg/Stunde verschrieben.
      Leider wirkt das Pflaster bei meinen Schmerzen nicht. Ich habe ihm das mitgeteilt, weil er das wissen wollte, und mir versprochen hatte, ein stärkeres Pflaster aufzuschreiben.
      Doch was soll ich sagen? Als ich gestern mit ihm sprach, war von Verstärkung keine Rede mehr.

      Ich sollte erst einmal so weitermachen, es würde dauern, bis sich das Schmerzmittel im Körper verteile und vielleicht brauche es ein paar Tage mehr, bis ich eine Verbesserung erreiche.
      Der Schmerztherapeut ist ein Idiot. Ich frage mich oft, wie so ein Mensch überhaupt Schmerztherapeut geworden ist, wenn er Menschen mit Schmerzen nicht für voll nimmt.
      Als er mir zunächst 5 Pflaster verschrieben hatte, hat er mir gesagt, dass 50müg Fentanyl (so wie es meine Mutter bekommen hatte) auch sehr teuer sei.
      Auch nach Verstärkung fühle ich mich hundeelend mit den Schmerzen.

      Wegen meiner Innenohrerkrankung (Dreh- und Lagerungsschwindel) kann ich weder Auto fahren, noch erreiche ich eine Bushaltestelle.
      Die meistens Ärzte sind auswärts, sodass ich mich dorthin fahren lassen muss. Hier ansässige Ärzte kann ich nur mit Umsteigen erreichen, wozu ich nicht in der Lage bin: Ein Taxi kann ich mir nicht leisten ohne Beförderungsschein, Pflegestufe oder Merkzeichen.

      Demnächst soll ich begutachtet werden, davor habe ich große Angst, da ich schon so viel durchgemacht habe und die Ärzte nicht gerade freundlich zu mir waren, und, ehrlich gesagt, haben auch nur die wenigsten Ahnung von dem, was ich alles habe.
      Ich soll wahrscheinlich Pflegestufe I anerkannt bekommen.

      Mein Psychotherapeut hat nach 6 Therapien weitere beantragt, er hat dazu ein halbes Jahr gebraucht, er hat mir ein Formular für den Hausarzt zum Ausfüllen mitgegeben, dieser sagte, dass sei totaler Schwachsinn, dieses Formular gäbe es schon lange nicht mehr. 2mal/Woche erhalte ich ambulante psychische Hilfe, dieser fährt mich auch ab und zu zu den Arztterminen.
      Eine Nervenmessung an den Beinen ergab keine Verletzung. Er will mich nun zu einer Messung der Gefäße schicken“.
    2. „Mir geht es nach wie vor schlecht, alle Symptome stürzen noch härter auf mich ein.
      Ich habe enorme Probleme mit meinen Armen, ich kann diese nicht belasten und fühle, als ob dort eine Dauerentzündung vorliegt – ich bin sehr verzweifelt.
      Auch mein Nacken und Rücken sind enorm schmerzhaft: Die ständige Müdigkeit und Erschöpfung kommt hinzu. So wie fast in allen körperlichen Bereichen.

      Es nervt, dass ich ständig davon berichten muss, aber leider ist es tatsächlich so schlimm und alles was ich bisher dagegen unternommen habe, hat mir nie wirklich geholfen.
      Ebenfalls sind die Augenprobleme recht nervig, bei Begutachtungen erwähne ich das schon gar nicht mehr – zu Hause passe ich mich der jeweiligen Situation an, mehrfach Pausen, größere Schrift. Der Augenarzt findet nichts.
      Die Krankheit macht mich noch total fertig, lieber hätte ich eine Diagnose wie MS oder Rheuma, oder egal was ich auch schon immer herbeigesehnt habe, nur damit ich endlich etwas Richtiges habe und um ernst genommen zu werden.

      Manchmal bin ich soweit, dass ich nicht mehr leben möchte, als ständig um Anerkennung kämpfen zu müssen; 24 Stunden Schmerzen.
      Entschuldigen Sie bitte das Gejammere“.
    3. „Meine durchgehenden Schmerzen im Bereich des rechten Schulterblatts wechseln zwischen brennender, ziehender, stechender Intensität.

      Manchmal wie ein Schlag auf den Körper. Es ist so, als ob der Unfallschmerz sich immer bei Bewegung wiederhole; sie können auch durchstoßend erlebt werden, d.h. unter dem Schulterblatt bis in den Brustraum hinein.

      Sie lassen sich durch jegliche Anstrengung provozieren (Laufen, Gehen) und steigern sich ins Unerträgliche.
      Es kommt dann zu Kurzatmigkeit, Übelkeit – ich versuche dann, die rechte Körperseite und den rechten Arm nach hinten zu strecken, um den Schmerzbereich zu entlasten.
      Ich habe das Gefühl, unter dem rechten Schulterblatt befände sich ein Fremdkörper.
      In den Händen und Füßen fühle ich einen ständigen elektrischen Strom, begleitet von einschießenden Nadelstichattacken und Schmerzschüben.
      Hände und Füße fühlen sich geschwollen an, überziehen die Haut, als ob ein elektrisches Feld nach außen abgegeben würde.
      Muskelschmerzen wandern über den ganzen Körper mit sich verändernder Schmerzstärke; sie sind ziehend, einschießend, krampfartig, muskelkaterartig“.

      So geht es seitenlang weiter, über diffuse Kopfschmerzen, Sehstörungen (unauffälliger Befund), Ohrgeräusche, Hörminderung ohne Befund, Enge im Hals, Luftnot, Schwitzen, Herzrasen, Ohnmachtsgefühle, Bauchkrämpfen, häufigem Wasserlassen, Gehbehinderung, Knieschmerzen usw. Jede dieser Beschwerden wird ausführlich auf 6,5 Seiten beschrieben, sie sind real für die Betroffene.
    4. „ ... inzwischen habe ich versucht, gerichtlich vorzugehen, das Verfahren wurde aber wegen eines verlorengegangenen Einschreibens "eingestellt“, „... ich hätte sowieso keine Chance gehabt“, sagte man mir später. „Die spezielle Neurologie hier an der Uni hat Muskelschwächen und funktionelle Probleme festgestellt – mir wurde gesagt, dass meine Erkrankung(en) alle psychisch seien. Die stationäre Aufnahme ging aber dann wegen Bettenmangels schief; Teilbefunde und geplante weitere Untersuchungen stehen nun seit Monaten aus.
      Psychisch kann ich diese Ignoranz und Hilflosigkeit kaum noch ertragen (keine REHA, keine finanzielle Versorgung, „Psychiatrisierung“).
      Ich melde mich noch einmal bei Ihnen, aber ich bin einfach kräftemäßig physisch und psychisch völlig am Ende.
      Am Termin bringe ich Ihnen alle Unterlagen mit, auch eine sehr ausführliche Aufstellung meiner Leiden und Beschwerden.
      Inzwischen weiß ich aber auch, dass es unmöglich ist, allen meinen Beschwerden nachzugehen – das benötigte Jahre. Ich suche so jemanden, der das alles evtl. zusammenfasst und unter einen oder zwei Hüte bringt.
      Ist das möglich? Ich habe gehört, "dass die Psychosomatik das schaffen kann“.

  2. Untersuchungsbemühungen führen zu weiterer Verunsicherung, da jeder Untersucher nach maximal 8 Minuten eine andere, weitere Diagnose erstellt, wenn er sich denn Zeit lässt und nicht nur (nicht) Fragebögen auswertet. Aber was wollen Sie mit vielen Diagnosen anfangen?

    Die einzelnen Gebiete, der Routine-Facharzt sind dabei völlig überfordert.
    Die Lösung?
    Abschieben in die psychischen Gebiete, was vom Betroffenen in der Regel als diskriminierend empfunden wird.

    Der Betroffene sucht verständlicherweise eine Diagnose und seien es mehrere, er will mit dem Ziel der Beseitigung der Beschwerden behandelt werden.
    Nur ist das leider das falsche Ziel, das geht einfach nicht, wenn auch, leider, fälschlich immer wieder versprochen.

    Nur, der Betroffene befindet sich bei dieser Vorgehensweise auf dem falschen, weiter chronifizierenden Weg ohne Ausweg.

    Nur er selbst kann das alles in die Hand nehmen und zur Lösung hinführen: eigenmotivierte Behandlungsbemühungen mit dem Ziel, einen Schmerzzustand in den Tagesablauf einzubinden.

    Weg vom Katastrophisieren – das kann man lernen, und zwar nicht mit Spritzen und Schmerzmitteln plus antidepressiv wirkenden Mitteln, die oft jahrelang ohne Effekt eingenommen werden.
    Wir wissen heute, dass Serotoninmangel bei Depressionen keine Rolle spielt, Antidepressiva wirken so wahrscheinlich über einen Placebo-Effekt. Depressionen beeinträchtigen den gesamten Körper, sind wahrscheinlich eine Systemerkrankung (s.o.).

    Viele Betroffenen sind generell mit der ärztlichen Versorgung unzufrieden, häufig in Verbindung mit dem Eindruck, dass die Ärzte sie nicht ernstnehmen.
    Manchmal können aber diese Befürchtungen gerechtfertigt sein, da es Ärzte gibt, die sich herablassend verhalten oder dem Patienten mit Feindseligkeit und Frustration begegnen – Ausdruck ihrer eigenen Unsicherheit und des Unvermögens, diesen Betroffenen überhaupt etwas Wissenswertes, Fachliches anbieten zu können.
Dies kann auch dazu führen, dass eine real bestehende Erkrankung fälschlicherweise nicht erkannt oder diagnostiziert wird.