Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen
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Revision 2017 der FMS-Leitlinie

Bis Ende Januar 2017 läuft eine "Öffentliche Beratung" der Arbeitsgemeinschaft der Medizinischen Wissenschaftlichen Fachgesellschaften (AWMF, ca 30 Fachgesellschaften mitbeteiligt) zur Neufassung (2. Revision) der FMS Leitlinie von 2012, die im Verlauf 2017 veröffentlicht wird.
Nach Durcharbeiten der mehr als 200 Seiten umfassenden Langfas-sung der veränderten Leitlinie ist zunächst zu sagen, dass es nichts Neues gibt, was Sie nicht schon in den vergangenen mehr als 3 Jahren in den Heften Fibromyalgie - aktuell erfahren konnten.
Wesentlich ist, dass weiterhin die Richtlinien der Amerikanischen Rheuma-Gesellschaft (ACR) von 1990 und 2010 ihre Gültigkeit behalten, auf dieser Basis wurden 2012 die Leitlinien der AWMF erstellt.
Da Behandler und Gutachter ihre Diagnosen für die Krankenkassen, Versicherer und Gerichte nach Kriterien zur Klassifikation anzugeben haben, wird derzeit (noch) die Klassifiaktion der Weltgesundheitsorganisation (WHO) benutzt, nämlich die Internationale Klassifiktion von Krankheiten der Version ICD-10 (die 2018 durch die ICD-11 abgelöst wird, worin die Diagnose FMS nicht mehr erscheinen wird).
2009 wurde ICD-10 durch eine Deutsche Veränderung (GM - German Modification) erweitert), inbesondere wurde die FMS. Die generell als Somatisierungsstörung gesehen wurde (als undiferenzierte Somatisierungsstötung F45.1, oder als anhaltende somatoforme Schmerzstörung F45.40 und seit 2009 als Chronische Schmerzen mit körperlichen und psychischen Faktoren F45.41).
Diese Betrachtung des FMS ist inzwischen aufgegeben, wie auch in der revidierten Leitlinie nachzulesen; FMS als M79.70 zu klassifizieren, fällt nach den Ergebnissen der Schmerzforschung in den vergangenen 15 Jahren ebenso weg.
Zur Behandlung der FMS nach Kriterien gibt die neue Leitlinie keine Antwort.
Die Leitlinie betont, dass FMS nicht synonym (gleich) einer somatoformen Schmerzstörung sein kann, auch nicht von Schmerzen mit körperlichen und psychisachen Faktoren; hinsichtlich der DSM-5 sollen nur ca 25 % der Diagnose einer Körperlichen Belastungsstörung entsprechen.

FMS wird vielmehr, wie Sie schon mehrfach nachlesen konnten, als "nicht-spezifische, funktionelle Körperbeschwerden" (NFS) angesehen, kann aber so nicht klassifiziert, kodiert werden; darauf gibt die neue leitlinie keine Antwort.
M79.70 fällt weg, da FMS (und NFS) ohne organische Veränderungen des Muskel-/Sklettsystems, mit Veränderungen des Bindegewebes sind.
Man möchte FMS als Funktionelles Körpersyndrom klassifiziert sehen.
Das neue seit 05/2013 vorliegende Diagnostische und Statistische Manual der Amerikanischen Psychiatrischen Gesellschaft (deutsch 12/2014), das nach Entscheid des Bundessozialgerichts (BSG) neben Die Lösung war, FMS einfach weiter als Diagnose zu benutzen, obwohl alle Fachgesellschaften, bis auf die Rheumatologie und Allgemeinmedizin, aus bestimmten Gründen weiter an FMS festhalten.
Ich bin seit längerem der Ansicht, auch FMS fallen zu lassen - so warten wir auf die Neue ICD-11 im nächsten Jahr 2018 …
So nennt die neue Leitlinie FMS eine "funktionelles Körperliches Syndrom" mit "Ko-Morbiditäten".
Die Arbeiten zur Zentralen Sensibilisierung (hinsichtlich der Entwicklung aus organischen Erkrankungen, C.Woolf) und der Entwicklung des Hypersensitivitätssyndroms (U.T. Egle) aus psychosomatischer Sicht über Veränderungen von Hirnarealen (Amygdala, Vorderhirn, Hippo-campus) sind heute Allgemeingut. der ICD-10 anwendbar ist, erscheint die Diagnose "Körperliche Belastungsstörung" mit der Klassifikation F45.1. Die deutschen Psychosomatiker unter Henningsen, Häuser haben sich für NFS zu keiner Klassifizierung durchringen können, warten wir als auf die ICD-11 2018.
Das Schlimmste in der neuen Leitlinie 2017 ist, dass an der unsinnigen Zählung der Tender Points festgehalten wurde.
So lächeln die Gebiete und die Gutachter, die von Betroffenen aufgesucht werden, rollen die Augen und sind vom Vorurteil überzeugt, dass diese Schmerzen fälschlich vorgetragen und unwichtig sind und nur vorgetragen werden, um Vorteile zu ergattern.
Andererseits besteht Notwendigkeit einer zeitaufwändigen Aufnahme der Krankengeschichte dieser Betroffenen (teilweise Stunden), um die vorliegenden Funktionsbeeinträchtigungen (körperlich, psychiatrisch, kognitiv, psychosozial) zu erfassen.
Es handelt sich nämlich um eine Konstellation von vermehrten, schwerwiegenden psychosozialen und vermehrten seelischen Symptombelastungen.
Zu erarbeiten sind u.a. frühere Behandlungen, schwerwiegende Belastungsfaktoren in der Kindheit, Jugend und im Erwachsenenalter, Art der Krankheitsverarbeitung, Überzeugungen hinsichtlich der eigenen Erkrankung.
Zwingend notwendige Laborwerte sind: Blutsenkung (BSG), C-reaktives Protein (CRP), ein kleines Blutbild, die Kreatinkinase (Ausschluss von Muskelerkrankungen), Calcium, TSH (Schildrfüse), Vitamin D-Spiegel.
Zu suchen ist auch nach rheumatischen Erkrankungen (entzündlich rheumatologische-immunologische Systemerkrankungen), nach Schmerzgenen (inzwischen sind es mehr als 140), nach Vitamin D-Mangel (Vorsicht, dazu ist ein Speziallabor notwendig; üblicherweise gibt Ihnen der Endokrinoiloge einen geringen D-Mangel an)), Rauchen, Übergewicht, mangelnde Aktivität, Misshandlung/Missbrauch, Vernach-lässigung, Ausgrenzung u.a. ( in der Kindheit und Jugend), depressive Störung (Freudlosigkeit, Antriebsmangel, niedergedrückte Stimmungs-lage, Energiemangel, Erschöpfung, Konzentrationsstörung, Anspannung, Überreiztheit u.a.), Angststörung (Panikattacken mit Luftnot, Herzrasen, Magenbeschwerden, Taubheitsgefühl, Schwitzen, Erstickungsgefühl, Angst zu sterben, Ohnmachtsgefühl u.a.).
Hier ist das sog. "bio-psychosoziale" Krankheitsmodell zu erwähnen, entlang dieser Vorgaben sind chronische Erkrankungen zu entwickeln (unter Berücksichtigung von Veranlagung, Auslösern, Chronifizierungsmechanismen).
Körperliche und psychosoziale Belastungen führen hier zu Schmerz, Müdigkeit, Schlafstörungen, Tendenz zur Erschöpfung, Kraftminderung, diffusen Muskelschmerzen.
Die Endstrecke vieler Entwicklungen führt zu diesen Zuständen, die gekennzeichnet sind von erheblichen Beeinträchtigungen und psychi-schen und sozialen (oft leistungsmindernden) Folgen.
Seit 2013 wird über eine Veränderung, Ausdünnung kleiner Nervenfasern diskutiert, heute sehen wir, dass diese Small fiber-Nervenminderung zwar vorliegen kann, aber keine weiteren Aussagen zum Schmerzzustand zulässt. Auch die Datenlage hinsichtlich Infek-tionserkrankungen ist nicht eindeutig.

Es handelt sich vielmehr um einen Schmerzzustand mit psychischen, Parallelerkrankungen (Ko-Morbiditätten genannt) mit erheblicher Beeinträchtigung und psychosozialen Folgen.
Bei ca 25% der Betroffenen liegt sehr hoher Leidensdruck vor, dass das Leistungsvermögen ausgeprägt beeinträchtigt ist.
Es geht hier nicht um den "Namen" FMS, sondern um erweiterte Diag-nosekriterien, um u.a. die unsinnige Zählung der Tender Points endlich zu vergessen.
Diese werden sich auch auf die Ko-Morbiditäten (statistisch überzufällig häufige Parallel-Diagnosen wie Angst-/Panikstörung, depressive Störung als Systemerkrankung, die den ganzen Körper betrifft) konzentrieren.