Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen
Fachübergreifende Schmerzbegutachtung - Gesamtkrankheitsgeschehen

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BEGUTACHTUNG

Sie sind die Probandin/der Proband

Sogenannte Einflußfaktoren führen zu einer deutlich erhöhten Komplexität bei der Begutachtung eines chronischen Schmerzzustands und damit auch zu erheblich höherer Kompetenz des Gutachters.

Die Beschränkung auf die Beurteilung der allein körperlichen Funktionsbeeinträchtigungen ist Ausdruck eines veralteten, am Vorhandensein einer Gewebeschädigung (z.B. von „Verschleißveränderungen“) orientierten Schmerzverständnisses.

Schmerzbetroffene wurden bisher als diagnostische Restkategorie, d.h. man konnte mit ihnen wenig anfangen, besonders wenn keine anatomischen Veränderungen zu erfassen waren, angesehen, obwohl die neurobiologischen (die Hirnfunktionen betreffend) Mechanismen inzwischen bekannt sind (C.Woolf, 1997, Eisenberger 2012), sodass nun Faktoren zur biopsychosozialen Objektivierung dieser Gruppe Schmerzbetroffener möglich sind.

Es hat den Anschein, dass auch gegen die Vorgaben des BSG(Bundes-SozialGericht) verstossen wird, d.h. man hält an der überholten Überzeugung fest, dass chronische Schmerzen am Ausmaß der peripheren Gewebeschädigung zu bemessen sind, ohne die zahlreichen anderen Einflußfaktoren mit einzuschliessen; das individuelle Schmerzerleben wird aber durch die biopsychosoziale Gesamtverfassung und nicht durch (periphere) Schädigungen bestimmt.

So können Leidenszustände bei „fehlenden organischen Funktionsbeeinträchtigungen“ nicht mehr in den psychischen Bereich – und somit ohne Krankheitswert - abgeschoben werden: übersetzt heißt dass, dass bei fehlenden Funktionsbeeinträchtigungen (alle Gelenke frei beweglich, keine Probleme im Rücken und der Wirbelsäule, nur ein gewisser "Spannungszustand" der Muskulatur, abgesehen von relativ unauffälligen Verschleißveränderungen, aber mit chronischen, „beeinträchtigenden Schmerzen“; vorher „diagnostizierte Bandscheibenvorfälle“ spielen bei der Begutachtung oft keine Rolle mehr, da neurologische Veränderungen fehlen u.a.).
Bei vielen Behandlern (und Gutachtern) werden Veränderungen der Bildgebung (Roentgen, MRT) immer noch für Schmerzen verantwortlich gemacht.

Was soll der Gutachter nun mit chronischen Schmerzen anfangen?
Es macht daraus eine „somatoforme Schmerzstörung“.
Schmerzen sehen wie körperlich verursacht aus, sind es aber nicht, d.h. er konzipiert eine psychiatrische Diagnose – diese ist dann „ohne Krankheitswert“ und spielt somit z.B. versorgungsrechtlich für die Beeinträchtigung im Zusammenhang des Tagesablaufs und rentenrechtlich hinsichtlich der Leistungsfähigkeit keine Rolle.
Das Schmerzproblem ist so „erledigt“ und kann nicht bewertet werden, obwohl „real vorhanden“.

Die eigentlich vorliegenden Diagnosen, wie chronische Schmerzen bzw.Schmerzzustand fliessen so nicht in die Beurteilungen ein bzw. wurden als „psychisch“, ohne Krankheitswert, abgeschoben.

Ziel muss so sein, die Ausführungen vom ‚Verletzungsmodell’ (als Schadensfolgen) weg zu bearbeiten - Schmerzen, vor allem chronische, sind etwas völlig anderes, diese haben mit Organveränderungen nur eine lose Assoziation, auch eine psychische Begründung durch einschneidende Ereignisse und erhebliche Belastungen sowie Erbfaktoren steht nur auf Umwegen mit Schmerzen später im Erwachsenenalter in Beziehung.

Die Einflußfaktoren auf das individuelle Schmerzerleben werden durch die (die körperlichen, psychischen, sozialen Faktoren) biopsychosoziale Gesamtverfassung und nicht durch (periphere) Schädigungen bestimmt.

Es geht so um das Gesamtkrankheitsgeschehen und/oder um die Gesamtverfassung des Probanden.